Die Sprache der Mode: Hillary Clinton und Donald Trump, die TV-Debatten und ihre Kleidung

1985 schaffte Roland Barthes in seinem Werk „Die Sprache der Mode“ mit der Beschreibung des vestimentären Codes einen feststehenden Begriff in der Modetheorie der von nun an die Analyse und Interpretation von Kleidung vereinfachen sollte. Kleidung fungierte schon immer als nonverbales Kommunikationsmittel und ist in ihrem Auftreten deutlich subtiler als Mimik oder Gestik. Dennoch verursacht Farbe, Schnitt und Material von bestimmter Kleidung bei uns gewisse Assoziationen. Insbesondere in der Politik wird sich diese Macht der Mode von Nutze gemacht. Aktuell besonders gut zu beobachten im US-Wahlkampf und den TV-Debatten zwischen Hillary Clinton und Donald Trump.

Dieser Wahlkampf ist der erste, bei dem ich bewusst eine Anhäufung von historischen Querverweisen und symbolträchtigen Farben wahrnehme. Vermutlich liegt es daran, dass mit Hillary Clinton, das erste mal eine Frau zum Amt des Präsidenten in den USA kandidiert und die weibliche Kleidung deutlich mehr Spielraum für eben jene Querverweise bietet. Aber auch unser lieber Donald (ja ich nenne ihn hier bewusst bei seinem recht albernen Vornamen, denn ein Mensch der über den ganzen Wahlkampf hautsächlich Non-Sense von sich gibt, hat es nicht anders verdient) scheut sich nicht an Hand seiner Kleidung gewisse Standpunkte zu untermauern. Ich habe mir die Kleidung der beiden Kandidaten in den letzten drei TV-Debatten mal genauer angeschaut.

Erste Debatte 26.09.2016: Macht vs. Königlich

clinton-trump-first-debate-fashion

26.09.2016 der Wahnsinn beginnt. Das wohl größte Schauspiel des Herbstes hat seinen Anfang: Die erste TV-Debatte zwischen Donald T. und Hillary Clinton. Auftritt von zwei Personen, die nach aktuellen Umfrageergebnissen nahezu gleichauf liegen und die kontroverser nicht sein können. Hillary Clinton sowie Donald sind polarisierend. Entweder man mag sie oder man hasst sie dazwischen gibt es nichts. Die Frage des Wahlkampfes ist auch, wer seine Gegner davon überzeugen kann, dass sie einen wählen, weil man den anderen Kandidaten noch furchtbarer findet. Dennoch treten beide Kandidaten stolz in den verbalen Boxring. Beide inszenieren sich als Sieger, was nicht zuletzt an der Kleidung zu beobachten ist. Beginnen wir mit Hillary:

Hillary Clinton ganz in rot und mit einer Hommage an Jacky Kennedy

Republican U.S. presidential nominee Donald Trump shakes hands with Democratic U.S. presidential nominee Hillary Clinton at the conclusion of their first presidential debate at Hofstra University in Hempstead

Hillary Clinton erscheint ganz in rot. Der rote Hosenanzug besteht aus einem reverlosen Blazer mit verdeckter Knopfleiste sowie aufgesetzten Taschen und einer gerade geschnittenen roten Hose. Dazu kombiniert sie schwarze Schuhe, die fast komplett flach sind. Die ehemalige First Lady trägt eher unauffälligen Schmuck: Eine sehr subtile goldene Halskette, Ohrstecker, ein dickes goldenes Armband und ihren Ehering. Insgesamt wirkt sie dem Anlass und ihrer Position entsprechend gekleidet.

Rot ist seit den Römern ein Symbol für Macht. Sie ist die Farbe der Adeligen und Herrscher und war historisch gesehen in der Herstellung die teuerste Farbe. Generell ist Rot eine der auffälligsten und signalkräftigsten Farben. Nicht umsonst wird die Farbe Rot auch gerne als Warnsymbol, z.B. im Straßenverkehr angewandt. Gleichzeitig hat Rot aber auch eine aggressive und angriffslustige Wirkung. Die Wahl eines roten Hosenanzugs für das erste Aufeinandertreffen von Hillary Clinton und Donald ist also aller Vermutung nach alles andere als ein Zufall. Die Präsidentschaftskandidatin will damit ihre Macht und Konfrontationsbereitschaft untermauern.

Auffällig ist auch der Schnitt des Blazers. Das Fehlen des Revers, die verdeckte Knopfleiste sowie die aufgesetzten Taschen sind ein klarer Bezug auf die Mode der 60er Jahre, die vor allem von einer Frau geprägt wurde: Jacky Kennedy. Kennedy ist wohl die beliebteste First Lady, die die USA jemals hatte. Interessant, wenn man bedenkt, dass Hillary Clinton auch mal First Lady war. Da will doch nicht etwa jemand durch eine Assoziation zu Jacky ein wenig die Beliebtheitsskala hochklettern?

Donald T. klassischer Anzug mit blauer Krawatte

trump-first-debate

Kommen wir zu Donald. Er trägt ganz klassisch einen gut sitzend Anzug mit weißem Hemd, blauer Krawatte und schwarzen Anzugsschuhen. Obligatorisch ist die Stars and Stripes Anstecknadel.

Blau ist die Farbe der gekrönten Häupter. Ebenso wie Rot symbolisiert Blau demnach Macht. Allerdings ist Blau erstaunlicher Weise, betrachtet man sich die ansonsten eher aggressive Wahlkampfstrategie von Donald, deutlich zurückhaltender und nicht so provozierend wie Rot. Ob Donald sich im Vorfeld bereits für Blau entschieden hat, oder noch kurzfristig die Krawattenfarbe geändert hat, um den Gegenpol zu Clinton darzustellen, bleibt fraglich. Klar ist jedoch, dass Blau auch ein eindeutiges Zeichen von Macht ist. Zudem handelt es sich sowohl bei Blau sowie bei Rot um Farben, die in der US-Amerikanischen Flagge vorkommen. Der Patriotismus der amerikanischen Bürger wurde also bei beiden Outfits befriedigt.

Zweite Debatte 09.10.2016 Understatement und Aggressivität

 

Glockenton – Runde 2 beginnt. Anders als bei der ersten Debatte, ist die Stimmung schon bei der Begrüßung deutlich angespannt. Die Verbalangriffe der letzten Runde sowie in der Zeit danach haben die Beziehung der beiden Kandidaten zueinander nochmals deutlich verschlechtert. Experten sehen Clinton nach der ersten Debatte klar als Siegerin, Umfrageergebnissen zufolge lagen aber direkt nach der Debatte beide Kandidaten nahezu gleichauf. Die Veröffentlichung eines Videos, in welchem Donald zu hören ist, wie er sich sexistisch über das weibliche Geschlecht auslässt, hat ihn jedoch in den letzten Tagen an Beliebtheit einbüßen lassen. Donalds Strategie für die zweite Debatte: Frontalangriff. Das äußert sich auch in der Wahl seiner Krawattenfarbe.

Donald T. Anzug und rote Krawatte- die seriöse Kampfansage

Candidates Hillary Clinton And Donald Trump Hold Second Presidential Debate At Washington University

Eigentlich kann man die zweite und die dritte Debatte für Donald einmal hier zusammenfassen. Die beiden Outfits unterscheiden sich nämlich nicht, aber eins ist ganz deutlich: Diesmal setzt er nicht nur verbal auf Konfrontation sondern auch nonverbal durch seine Kleidung.

Der Anzug sitzt gut, wie immer. Der klassische Schnitt hat etwas vertrauenswürdiges, konservatives und seriöses. Er will, dass die Menschen ihm vertrauen und das gelingt ihm in weiten Teilen der Bevölkerung auch. Die rote Krawatte hingegen ist eine Kampfansage und spiegelt auch seine sonstige Taktik im Wahlkampf wieder- Konfrontation. Als das Thema auf das veröffentlichte eher ungünstige Video on ihm zu sprechen kommt, schlägt er zum Gegenangriff aus. Seine Taten spielt er als „Umkleidenkabinengelaber“ herunter und bringt zeitgleich die sexuellen Eskapaden von Bill Clinton auf den Tisch. Diesmal wird er seiner roten Krawatte gerecht und auch bei der dritten Debatte wird es nicht anders werden.

Hillary Clinton im Schwarz-Weiß Look

Campaign 2016 Debate

Hillary Clinton ist modisch im Gegensatz zu Donald die Ruhe selbst. Unaufgeregt und fast ein wenig konservativ kommt sie in ihrem schwarz weißen Hosenanzug daher. Als würde sie sich modisch dafür wappnen, trotz der verbalen (und teilweise sehr persönlichen) Angriffe gegen sie, ruhig zu bleiben. Ganz ausgeglichen und komplett in ihrer Mitte. Ihre fast komplett flachen Schuhe, lassen sie zusätzlich fest auf den Boden stehen. Dass auch sie sich in ihren Verteidigungsversuchen leicht verzettelt und teilweise sogar selber eher unsachlich debattiert, passt da gar nicht zum optischen Erscheinungsbild, aber man möchte ja den seriösen Schein waren, nicht wahr? Randnotiz: Auffällig ist auch wieder hier die A-Linie und das dezente „Color-Blocking“. Sehr 60er, sehr Jacky Kennedy.

Dritte Debatte 19.10.2016- Feministische Unschuld

Die Situation hat sich verschärft. Nach der Veröffentlichung des, nenne wir es mal, ungünstigen Videos, hat Donald den nächsten Skandal an der Backe. Es geht um sexuelle Belästigung. Gleich mehrere Frauen werfen Donald vor, sie unsachlich berührt zu haben. Unter ihnen, die mittlerweile 74 jährige Jessica Leeds, über die sich Donald, auf sie angesprochen, wie folgt äußert: „Glaubt mir, sie wäre nicht meine erste Wahl, das kann ich Euch sagen.“ Nett, Donald, wirklich sehr nett und so gar nicht antifeministisch und arrogant. Ich habe quasi schon Herzen in den Augen. Aber lassen wir das. Hier geht es um die dritte TV-Debatte, diese Woche. Wie bereits erwähnt trägt Donald das gleiche Outfit wie auch schon bei der zweiten Runde. Ich könnte jetzt den Text copy-pasten, aber ich denke Ihr seid in der Lage Euch das ganze vorzustellen 😉 Interessant ist, insbesondere im Kontext der Vorgeschichte, das Outfit von Hillary Clinton, welches mich auch dazu inspiriert hat, diesen Artikel zu schreiben.

Hillary Clinton-die weiße feministische Unschuld

hillary-clinton-white-pantsuit

Hillary Clinton erschien zur dritten TV-Debatte ganz in Weiß. Es handelt sich, wie eigentlich immer, um einen weißen Hosenanzug. Der Blazer ist wieder reverlos, hat aber diesmal eine sichtbare Knopfleiste mit großen weißen Knöpfen und Paspeltaschen. Der Schnitt und die auffälligen großen runden Knöpfe zeigen ihre augenscheinliche Liebe zu der Mode der 60er Jahre. Interessant ist vor allem die Wahl der Farbe weiß.

Weiß ist zum einen natürlich die Farbe der Unschuld. Insbesondere in Anbetracht an die jüngsten Sexual-Vorwürfe gegen Donald, ist diese Deutung von besonderer Brisanz. Ganz alle wolle sie zeigen, ich bin das Gute und er ist das Böse, bewegt sie sich in ihrem weißen Ensemble durch die Medienwelt. Ein weiterer historischer Querverweis erscheint mir jedoch noch deutlich bewusster: Die Suffragetten.

Als Suffragetten bezeichnet man jene Frauenrechtlerinnen aus Großbritannien und den USA, die Anfang des 20. Jahrhunderts, mit teilweise radikalen Mitteln, wie dem Hungerstreik für das Wahlrecht der Frauen eintraten. Klassische Kleidung: Ein WEISSES Kleid. Wieso ist das besonders wichtig?

Die Vorwürfe gegen Donald und seine absolut antifeministischen Ausflüchte geben allen Anlass ein Zeichen für den Feminismus zu setzten. Was erscheint da passender als einen historischen Querverweis zu den Ikonen der Frauenrechtsbewegung in Form von Kleidung zu erbringen? Die Suffragetten traten für das WAHLRECHT ein. Eben jenen Wahlrecht, dem sich nun die Bürger/innen von den USA bedienen sollen. Evtl. eine subtiler Aufforderung an die Frauen in den USA, sich ihrer Geschichte zu entsinnen und von ihrem Recht gebrauch zu machen. Hillary Clintons weißer Hosenanzug ist also mal wieder deutlich mehr als nur ein weißer Hosenanzug.

Clintons Berater beweisen ein sicheres Händchen

Donalds Mode-Berater haben es recht einfach. Im Wesentlichen, geht es bei ihnen nur um die Wahl der passenden Krawatte. Der Rest ergibt sich aus der Norm. Ein Präsidentschaftskandidat in Jeans und T-Shirt, wäre zwar definitiv eine Sensation, aber zum einen nicht dem allgemein vorherrschenden Bild eines Kanditen für das wichtigste Amt in den USA entsprechend und zum anderen auch nicht zu Donalds Image, von einem erfolgreichen Selfmade-Milliardär passend.

Hillary Clintons Berater haben da einen deutlich anspruchsvolleren Job, den sie aber meiner Meinung nach sehr gut machen. Clintons offizielle Garderobe ist eine Anhäufung von historischen Querverweisen und Farbsymbolik. Ob das am Ende dazu reicht, dass sie die erste Frau an der Spitze der USA ist? Mit Sicherheit nicht allein, sondern nur, wenn es ihr auch abseits der Mode gelingt, ihre Gegner von sich zu überzeugen. Mehr wissen wir am 8. November. Es bleibt spannend. Ich freue mich schon darauf auch die Kleiderwahl zu der Vereidigung zu beobachten.

Habt ihr Lust in Zukunft mehr modetheoretische Artikel von mir zu lesen? Dann lasst es mich doch in den Kommentaren wissen. Mir macht es nämlich durchaus Spaß mich auch nach meinem Studium mit solchen Dingen zu beschäftigen.

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