Sunday-Talk: Über den Mondehandel, kleine Läden und die künstliche Verknappung

Ich wohne, wie ihr wisst, in Köln. In einer Stadt in der es glücklicherweise noch eine Vielzahl von kleinen unabhängigen Boutiquen gibt und der Modehandel dadurch ein wenig bunter ist. Dennoch sind es über die Jahre immer weniger geworden und es werden, so traurig das klingt, auch in den nächsten Jahren weniger werden.

Als ich mich vor ca. 10-15 Jahren das erste mal bewusst mit meinen Freundinnen aus der Provinz auf den Weg in Richtung „Shopping-Paradies“Köln machte war alles noch ein klein wenig anders als jetzt. Die heute so beliebte Ehrenstrasse war damals eher ein Insider-Tipp. Ketten, wie H&M oder Zara gab es auf ihr so gut wie garnicht. Es waren die Boutiquen und die Vintage-Stores, die in dieser Gegend angesiedelt waren. Über die Jahre jedeoch kamen immer mehr große Ketten hinzu. Heute hat man derweilen das Gefühl auf der Vorzeigestraße der H&M Gruppe auf und ab zu laufen. H&M, COS, &otherstories und Weekday. Dass H&M nicht auch Monki hier angesiedelt hat, hat mich durchaus überrascht. Auch Zara und Kauf dich Glücklich sind auf der Straße zu finden. Letzterer ist besonders geschickt. Eine Kette, die stets den Charme einer Boutique behält. Ein nahezu perfektes Konzept.

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Versteht mich nicht falsch, ich möchte das nicht verteufeln und bin auch sehr glücklich darüber, dass wir in Köln „coole“ Ketten haben, dennoch finde ich es Paradox, dass der Konsument von heute die Intimität einer Boutique schätzt, trotzdem aber ein bekanntest Konzept benötigt um sich zurecht zu finden. Es ist wie bei Mc Donalds. Man ist im Urlaub, hat hunger, findet kein passendes Restaurant, traut den einheimischen Läden evtl. auch nicht über den Weg. Dann ist da Mc Donalds und man weiß eben genau was man bekommt. So ähnlich funktioniert der Modehandel heute.  Aber evtl. gibt es dafür eine Lösung. Stichwort: Künstliche Verknappung.

Im Grunde sind wir doch noch immer die Kinder von früher. Wir wollen das kleine rote Spielzeugauto, weil es im Spielzeugladen so schön aussah. Haben wochenlang nur das eine Thema und wenn wir es endlich bekommen haben, spielen wie 2 Stunden mit ihm und es landet wieder in der Ecke. Es ist langweilig geworden, weil wir es jetzt eben haben. Ein Aspekt von Menschlichkeit, den sich der Modeeinzelhandel, insbesondere die kleinen Boutiquen, heute zu Nutze machen können. Teilweise wird dies schon gemacht in Form von Pop-Up Stores. Läden die nur für eine Begrenzte Zeit aufmachen. Der Jagdinstinkt wird dabei instinktiv geweckt und die Menschen stehen teilweise Schlange um reingehen zu dürfen. Bereits letzte Woche hatte ich kurz erwähnt, dass die Kölner Boutique Mand & Kvinde sich jüngst Gedanken dazu gemacht hat, nur noch drei Tage die Woche zu öffnen. Ein Gedankengang den ich für gar nicht dumm sondern sehr geschickt halte. Eine klassische Form der künstlichen Verknappung. Koppelt man diese Verknappung noch mit Events und hat an einem bestimmten Tag noch Prozente, verlängerte Öffnungszeiten oder ähnliches, dann sollte der Erfolg eigentlich schon fast garantiert sein. Zumindest theoretisch.

Fakt ist, kleine Läden müssen sich heute etwas einfallen lassen, denn die großen Ketten, werden stetig innovativer mit ihren Konzepten und ziehen auch die individuellen Köpfe da draußen an.

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2 Gedanken zu “Sunday-Talk: Über den Mondehandel, kleine Läden und die künstliche Verknappung

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